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Therapieformen

Entsprechend den verschiedenen psychischen Störungsformen werden unterschiedliche Behandlungen eingesetzt. Nachdem eine genaue Diagnose erstellt worden ist, kann eine individuell angepasste Therapie begonnen werden.

Im Gespräch wird dem Patient vermittelt, dass seine Probleme oder Symptome zwar individuell sind, dass sie aber in einem größeren Zusammenhang zu sehen sind. Ganz besonders wichtig ist der Aspekt der Problemanalyse, bei der die geschilderten Probleme in einem situativen oder biographischen Zusammenhang gestellt werden, um Auslöser bzw. Verstärker zu identifizieren und über Änderungsmöglichkeiten nachzudenken. Auch die Lösung von Konfliktsituationen oder zumindest der bessere Umgang mit denselben ist ein wichtiger Aspekt in den Gesprächen.

So wie jeder Patient einen festen Ansprechpartner im ärztlichen bzw. psychologischen Bereich hat, so wird ihm zu Beginn der Behandlung auch ein Mitarbeiter aus dem Pflegebereich als Bezugsperson zugewiesen. Dieser erarbeitet gemeinsam mit dem Arzt und Psychologen ein individuelles Behandlungskonzept.

In der Einzeltherapie wird mit dem Patienten alleine gesprochen oder gearbeitet. Einzeltherapie findet nicht nur im ärztlich-psychologischen Bereich statt, sondern auch durch das Pflegepersonal, das häufig der erste Ansprechpartner bei akut aufgetretenen Fragen ist. Ebenso können alle anderen Berufsgruppen auch einzeltherapeutisch tätig werden.

In der Gruppentherapie sind immer mehrere Patienten gemeinsam im Gespräch oder am „Arbeiten“. Das Angebot ist dabei störungsübergreifend möglich wie etwa Kunst- und Ergotherapie, Sport, Gedächtnisgruppen oder Musiktherapie. Es gibt allerdings auch Angebote für bestimmte Krankheitsbilder:

  • Gruppe für Patienten mit Depressionen
  • Gruppe für Patienten mit Angsterkrankungen (Panikstörung, Agoraphobie, soziale Phobie, generalisierte Angststörung)
  • Gruppe für Patienten mit Psychosen
  • Gruppe für Patienten mit Gewichtsproblemen

Ein wichtiger Baustein psychiatrischer Therapie ist die psychopharmakologische Behandlung. Als Psychopharmaka werden Medikamente bezeichnet, die krankhafte Veränderungen des Erlebens und Verhaltens beeinflussen und die zur Behandlung psychischer Störungen eingesetzt werden. Psychopharmaka unterstützen dabei gesunde Persönlichkeitsanteile und bessern krankheitsbedingte Störungen des Erlebens und des Verhaltens.

Das Klinikum Emden bietet sowohl die Verhaltenstherapie als auch die Tiefenpsychologie an. Bei der Verhaltenstherapie wird zu Beginn einer Therapie gemeinsam mit dem Patienten abgeklärt, welche Ereignisse, Lebensbedingungen und persönliche Eigenschaften die jeweiligen Symptome mitbedingt haben. Gemeinsam mit dem Patienten wird dann festgelegt, welche spezifischen Verhaltensweisen einer Veränderung bedürfen und wie diese über geeignete Vorgehensweisen herbeigeführt werden kann.

Bei der Tiefenpsychologie ist die Grundannahme, dass unbewusste Konflikte, die nicht verarbeitet wurden, zu Hindernissen in der Entwicklung werden. In der tiefenpsychologischen Therapie arbeitet man deshalb mit dem Prinzip des Verstehens und der Einsicht. Dies fördert den Genesungsprozess.

Ein wichtiger Wirksamkeitsfaktor in der stationären und tagesklinischen Behandlung ist das vorübergehende Zusammenleben mit anderen. So berichten Patienten immer wieder davon, dass gerade das vertrauensvolle Gespräch mit Mitpatienten und gemeinsame Aktivitäten ihnen geholfen haben, ihre Krise zu überwinden. Dieses besondere Milieu ermöglicht also einerseits das Erkennen von zwischenmenschlichen Problemen, aber auch ihre beispielhafte Bewältigung.

In der Kunst- und Ergotherapie werden die Patienten beim Kennenlernen und Vertiefen verschiedener Techniken unterstützt und begleitet. Durch die Therapie sollen die Patienten ein besseres Verständnis für sich selbst und die sie prägenden Einflüssen erlangen. Es werden emotionale, geistige und soziale Fähigkeiten entwickelt und die eigene Projektion des Patienten gefördert. Es geht somit insgesamt sowohl um die Entwicklung instrumenteller Fertigkeiten als auch um die Weiterentwicklung sozio-emotionaler Fähigkeiten.

Das Erlernen von Entspannungsverfahren ist für viele Patienten ein wichtiger Baustein der Therapie. In unserer Klinik besteht die Möglichkeit, die „Progressive Muskelrelaxation“ nach Jacobson zu erlernen. Gerade für Menschen mit innerer Unruhe, Nervosität und Anspannung bietet dieses Verfahren eine Möglichkeit, letztlich durch eigene Kraft diese Zustände zu bewältigen.

Viele Menschen mit psychischen Störungen leiden unter Antriebsmangel und fehlendem körperlichen Elan. In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass Bewegungstherapie bei allen psychischen Störungen einen positiven Effekt hat. Unsere gruppentherapeutischen Angebote umfassen gemeinsames Joggen, Mannschaftsspiele und Tanztherapie. Neben der körperlichen Aktivierung geht es bei Mannschaftssport und Tanzen auch um das aufmerksame Wahrnehmen der anderen, was bei bestimmten psychischen Störungen beeinträchtigt sein kann.

Etwas in einfachen musikalischen Formen auszudrücken und auf andere Gruppenteilnehmer musikalisch einzugehen, kann die Kommunikationsfähigkeit verbessern und so einen Beitrag zur Gesundung leisten. Darüber hinaus können rhythmische Übungen einen entspannenden Effekt haben. In der Klinik wird die „aktive Musiktherapie“ angewendet, d.h. die Patienten arbeiten mit einfachen Instrumenten in der Gruppe. Musiktherapie setzt dabei keine musikalischen Begabungen voraus und erfordert keine Kenntnisse mit bestimmten Instrumenten.

In vielen Fällen haben Patienten neben ihren gesundheitlichen Problemen auch soziale Probleme. Diese werden im Behandlungsplan mitberücksichtigt, und erfahrene Mitarbeiterinnen stehen hier hilfreich zur Seite. Die Probleme reichen von Fragen der Kranken- bzw. Rentenversicherung bis hin zu Wohnungsfragen oder grundlegenden Fragen des Lebensunterhaltes. Darüber hinaus besitzen unsere Sozialarbeiterinnen auch spezifische therapeutische Kompetenzen, die von der Suchttherapie bis hin zur Familientherapie reichen.