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Klinikum Emden legt Schwerpunkt auf Patienten mit Lungenerkrankungen

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Emden. Das Atmen fällt schwer, die Lunge funktioniert nicht mehr richtig, die Lebensqualität ist stark eingeschränkt: Die Zahl der Patienten mit solchen Symptomen einer akuten oder chronischen Lungenerkrankung steigt. Das Klinikum Emden legt deshalb verstärkt ein Augenmerk auf diese Patienten. Mit der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin unter Führung von Chefarzt PD Dr. Jens Bräunlich wurde jetzt ein neuer Schwerpunkt geschaffen.

Der Fachbereich Innere Medizin wird zunehmend spezialisiert. Das ist für die Behandlung von Patienten mit Lungenerkrankungen ein wichtiger Schritt. Diese Erkrankungen sind weltweit stark verbreitet und führen zu hohen Sterblichkeitsraten. In Deutschland treten neben akuten Erkrankungen der Atemwege und der Lunge viele chronische Lungenerkrankungen wie Lungenkrebs, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Asthma bronchiale oder – gerade in Ostfriesland – asbestassoziierte Erkrankungen auf. Um Patienten mit solchen pneumologischen Erkrankungen auf dem neuesten Stand der medizinischen Kenntnisse behandeln zu können, werden am Klinikum Emden die Methoden und Angebote in Diagnostik und Therapie ausgebaut. „Dieser Schritt trägt der zunehmenden Spezialisierung der internistischen Fachgebiete und der steigenden Anzahl pneumologischer Erkrankungen Rechnung“, erklärt Chefarzt PD Dr. Bräunlich. „Unser Angebot wird auf sehr hohem Niveau umgesetzt und orientiert sich an aktuellsten Erkenntnissen.“

So zum Beispiel bei der Verwendung von Lungenventilen (ELVR), die bei einer fortgeschrittenen COPD eingesetzt werden. Diese schwerwiegende Erkrankung ist meist Folge von regelmäßigem Nikotinkonsum und wird deshalb landläufig auch als „Raucherlunge“ bezeichnet. Die Lunge verengt sich und bläht auf, was die Atmung behindert. Mit der schonenden Behandlung durch die ELVR-Ventile kann eine Art „Entlüftung“ und damit eine Verbesserung der Lungenfunktion erreicht werden. Es bedarf nur eines kurzen stationären Aufenthalts, um die Leistungsfähigkeit und somit auch die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen.

Auch die so genannte Kryobiopsie ist eine moderne Technik, die in Emden zum Einsatz kommt. Mittels Vereisung werden dabei verdächtige Gewebeproben aus der Lunge gewonnen, die auf das Vorliegen ernsterer Erkrankungen, etwa Lungenkrebs oder Lungenfibrose, hinweisen können. Diese Methode hat große Vorteile gegenüber herkömmlichen Verfahren zur Analyse von auffälligen Lungenveränderungen. So ermöglicht die Kryobiopsie im Rahmen einer routinemäßig durchgeführten Lungenspiegelung die Entnahme von größeren Gewebeproben zur verbesserten Diagnose. Der Patient profitiert von dieser schnellen und sicheren Maßnahme.

In den letzten Monaten hat PD Dr. Bräunlich außerdem die Beatmungsmedizin im Klinikum vorangetrieben. So wurde die nasale High-Flow-Therapie als neues Verfahren etabliert. Damit wird die eigenständige Atmung des Patienten unterstützt, eine oft lebensrettende Maßnahme. „Der Patient atmet aktiv, erhält aber zusätzlich über eine spezielle Nasenbrille erwärmte, befeuchtete und sauerstoffangereicherte Luft“, erklärt PD Dr. Bräunlich. „Auf diesem Gebiet hat das Klinikum Emden deutschlandweit eine Vorreiterrolle.“ Um diese Atmungsunterstützung auch für die Heimanwendung zu etablieren, engagiert sich PD Dr. Bräunlich derzeit beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA).

Zeitgleich wird auch das Feld der Beatmungsentwöhnung, des so genannten Weaning, weiterentwickelt. Die Entwöhnung ist insbesondere nach einer Langzeitbeatmung notwendig, bis der Patient die eigene Atmung wieder vollständig allein übernehmen kann. Das Klinikum Emden ist die einzige Klinik der Region, die in dieser Form das Thema Weaning etabliert. Dabei baut es auf die bereits vorhandene hohe Expertise der Mitarbeiter im Bereich der Beatmungs- und Intensivmedizin. Diese zeigt sich unter anderem im Einsatz der extrakorporalen, d. h. außerhalb des Körpers stattfindenden Lungenunterstützung. Dies ist ein aufwendiges, aber effektives Verfahren, das nicht von jedem umgesetzt werden kann. Bei dieser Methode werden die Atemgase im Blut eines Patienten, der schwerste Lungenfunktionsstörungen aufweist, mittels einer Maschine reguliert. Durch dieses im Klinikum Emden vorhandene Portfolio ist das gesamte Spektrum der Beatmungsmedizin exzellent aufgestellt.

PD Dr. Jens Bräunlich, Chefarzt und Direktor des Zentrums für Innere Medizin am Klinikum Emden.